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Der Reiz der leisen Dinge - Das Biedermeier: eine unterschätzte Epoche

Als Monarchen und Adel in Deutschland nach dem Sieg über Napoleon den Drang nach freiheitlichen Reformen unterdrückten, zogen sich viele Bürger, brave Untertanen ebenso wie enttäuschte und eingeschüchterte, in die Sphäre des Privaten und in die Nestwärme der Familie zurück. Seit dem 19. Jahrhundert ist dieses Phänomen als Biedermeier bekannt. Der österreichische Erzähler Adalbert Stifter formulierte als Ideal dieser Epoche ein „sanftes Gesetz“: Der Mensch strebe nach „Gerechtigkeit, Einfachheit, Selbstbeherrschung“. Wir neigen leicht dazu, die historische Bedeutung dieser Epoche zu unterschätzen. Doch sollte man die Atmosphäre nicht mit lammfrommer Spießigkeit und philiströser Friedhofsruhe verwechseln, denn es entstand - gleichsam im Stillen - ein oft lebhaft selbstbewusstes, wirtschaftlich wie geistig reges Bürgertum, eine vielgestaltige Kultur des Gemeinsinns und der Bildung, eine Bild-, Wort- und Gebrauchskunst des guten Geschmacks und der diskreten Eleganz. Nicht zuletzt blühte die Satire.

Der Reiz der leisen Dinge - Das Biedermeier: eine unterschätzte Epoche

Als Monarchen und Adel in Deutschland nach dem Sieg über Napoleon den Drang nach freiheitlichen Reformen unterdrückten, zogen sich viele Bürger, brave Untertanen ebenso wie enttäuschte und eingeschüchterte, in die Sphäre des Privaten und in die Nestwärme der Familie zurück. Seit dem 19. Jahrhundert ist dieses Phänomen als Biedermeier bekannt. Der österreichische Erzähler Adalbert Stifter formulierte als Ideal dieser Epoche ein „sanftes Gesetz“: Der Mensch strebe nach „Gerechtigkeit, Einfachheit, Selbstbeherrschung“. Wir neigen leicht dazu, die historische Bedeutung dieser Epoche zu unterschätzen. Doch sollte man die Atmosphäre nicht mit lammfrommer Spießigkeit und philiströser Friedhofsruhe verwechseln, denn es entstand - gleichsam im Stillen - ein oft lebhaft selbstbewusstes, wirtschaftlich wie geistig reges Bürgertum, eine vielgestaltige Kultur des Gemeinsinns und der Bildung, eine Bild-, Wort- und Gebrauchskunst des guten Geschmacks und der diskreten Eleganz. Nicht zuletzt blühte die Satire.
17.04.24 18:27:37